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TTG Leonberg/Eltingen – Sonderbericht über Pablo Zapata Cano

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Pablo Zapata Cano (links) mit Silvan Kurras
Pablo Zapata Cano (links) mit Silvan Kurras

Als Drittplatzierter in der Landesliga konnte sich die erste Mannschaft der TTG Leonberg/Eltingen gegenüber dem Vorjahr noch einmal um zwei Plätze verbessern. Einen großen Anteil an diesem sportlichen Höhenflug hatte der junge Spanier Pablo Zapata Cano, der in Leonberg jedoch nicht nur als Spieler, sondern auch als Jugendtrainer wertvolle Arbeit leistete. Die einjährige Episode mit dem engagierten Andalusier neigt sich nun allerdings – zum Bedauern vieler – dem Ende zu.

Es war im Sommer letzten Jahres. In der ersten Woche seines Aufenthalts an der Universität Vaihingen, an der er als „Erasmus“-Student im Rahmen eines Austauschprogramms eingeschrieben ist, entdeckte der junge Spanier Pablo Zapata Cano auf dem Campus die Suchanzeige der Leonberger Tischtennisabteilung. Die ansässige TTG Leonberg/Eltingen ist seit jeher an tischtennisspielenden Studenten interessiert, die sich in die Jugendabteilung einbringen könnten. „Wir haben auch im letzten Jahr intensiv mit Universitäten und Fachhochschulen Kontakt aufgenommen, um nach Verstärkung für unser Trainerteam Ausschau zu halten“, erinnert sich Jugendcoach Silvan Kurras und betont, dass sein Verein ausschließlich das Geld für die Jugendarbeit investiert und nicht für das Engagement von Spielern.

Bei Pablo Zapata Cano hatte man diesbezüglich doppeltes Glück. Der 20-jährige Student, der sich aktuell im dritten Jahr zum „Bachelor of Telecommunications Engineering“ befindet, nahm Kontakt mit Silvan Kurras auf und schlug wenige Tage später auch im Leonberger Training auf, wo er die ersten Einheiten mit den TTG-Talenten absolvierte. „Ich habe zu diesem Zeitpunkt kein einziges deutsches Wort verstanden“, sagt Zapata Cano in gutem Englisch, „und eine Trainingssession mit zehn Kindern stellte schon eine echte Herausforderung für mich dar. Doch die Jugendlichen und auch die Verantwortlichen im Verein unterstützten mich hier super. Inzwischen kann ich auch ein komplettes Training in deutscher Sprache abhalten.“

Pablo Zapata Cano - Spitzenspieler bei der TTG
Pablo Zapata Cano – Spitzenspieler bei der TTG

Pablo Zapata Cano kommt aus Südspanien, aus der Nähe von Granada unweit der Sierra Nevada. Im Stadtteil La Zubia begann er mit elf Jahren, Tischtennis zu spielen und es entwickelte sich bei ihm schnell der Ehrgeiz, sportlich voranzukommen. „Ich habe dann jedes Jahr in unterschiedlichen Ligen gespielt. In meinem letzten Jugendjahr wurde ich mit zwei Teamkollegen aus meiner Stadt sogar spanischer Mannschaftsmeister“, erzählt Pablo Zapata Cano nicht ohne Stolz und ergänzt, dass er 2015 in der dritten spanischen Liga angekommen war. Ungeachtet des großen Erfolgs als spanischer Jugendmeister stellt der 20-jährige Angriffsspieler den Zweitligaaufstieg im letzten Jahr noch über das Ganze. „Wir hatten die gesamte Saison dieses große Ziel vor Augen und am Ende realisierten wir unseren Traum mit einem 4:3-Erfolg im entscheidenden Spiel gegen einen der Aufstiegsfavoriten.“

Dementsprechend war Pablo Zapata Cano froh darüber, dass er neben seinem Engagement als Jugendtrainer auch die Möglichkeit hatte, im Landesligateam der TTG Leonberg/Eltingen mitzuwirken. Was natürlich aus Leonberger Sicht auf gegenseitiges Interesse stieß. „In Spanien war ich es gewohnt, fast jeden Tag zu trainieren“, sagt der Andalusier, „hierzu hatte ich nun in Deutschland weniger die Gelegenheit und ich musste meine Erwartungshaltung etwas herunterschrauben. Außerdem spielten wir in Spanien immer mit Plastikbällen, hier musste ich mich in den meisten Fällen wieder auf Zelluloid umstellen.“

Pablo Zapata Cano - TTG-Vereinsmeister 2016
Pablo Zapata Cano – TTG-Vereinsmeister 2016

Auch das Spielsystem im deutschen Mannschaftssport war für ihn zuerst gewöhnungsbedürftig. „Während wir in Spanien nur drei Spieler in einer Mannschaft haben und die Reihenfolge willkürlich gesetzt werden kann, gibt es bei den deutschen Teams mit sechs Spielern drei unterschiedliche Paarkreuze. Die Spielstärke variiert da doch etwas. Ich denke aber, dass die beiden besten Landesligaspieler einer Mannschaft durchaus das Niveau hätten, in meinem Heimatland in der dritten Liga mitzuwirken“, sagt Zapata Cano, der seine Vorhand, die Aufschläge und eine gute Laufarbeit zu seinen Stärken zählt. Seine Saison bei der TTG schloss er mit einer Bilanz von 20:11 Spielen und somit als Sechstbester der Liga ab. „Damit kann ich zufrieden sein, denn immerhin habe ich nicht viel trainiert. Andererseits war es auch etwas frustrierend für mich, wenn ich gratulieren musste, weil ich nicht mein ganzes Potenzial zeigen konnte.“

Im August wird Pablo Zapata Cano seine Zelte wieder in Deutschland abbrechen, in seiner spanischen Heimat will er dann wieder – neben dem Studium – seine Tischtenniskarriere fortsetzen. „Tischtennis ist ein großer Teil in meinem Leben, die Sportart hat mich positiv geprägt. Inzwischen finde ich es schade, dass ich nicht früher damit angefangen habe, um vielleicht sogar eine Profilaufbahn einzuschlagen. Aber ich werde nach meiner Rückkehr täglich trainieren, um es in das Zweitligateam zu schaffen“, schildert der Ballkünstler seine ehrgeizigen Ziele. So oder so wird auch ein wenig Wehmut mit im Spiel sein, wenn sich der Real Madrid-Fan im Sommer von seinen Leonberger Vereinskameraden verabschieden wird. „Wer weiß, vielleicht komme ich nach dem abgeschlossenen Bachelorstudium noch einmal nach Deutschland, um den Master zu machen. Ich bin ja auch weiterhin daran interessiert, die deutsche Sprache intensiver zu lernen.“

Pablo Zapata Cano (2. von rechts) erreicht mit der 1. Mannschaft den dritten Platz in der Landesliga
Pablo Zapata Cano (2. von rechts) erreicht mit der 1. Mannschaft den dritten Platz in der Landesliga

Bei der TTG Leonberg/Eltingen wäre man einem Wiedersehen mit Pablo Zapata Cano sicherlich nicht abgeneigt. „Vor allem unsere Jugend hat im vergangenen Jahr in großem Ausmaß von Pablo profitiert“, sagt Silvan Kurras, „er lebte den Jungs eine gute Mentalität vor, agierte als echtes Vorbild. Einige Jugendliche wie unser Alexander Schappacher ahmen inzwischen sogar seine Aufschläge nach.“ Und Vorstand Gunther Mangold ergänzt: „Natürlich ist es schade, dass Pablo wieder geht, aber es war schön, ihn für ein Jahr lang bei uns gehabt zu haben.“

 

Ein Bericht von Thomas Holzapfel (Pressewart Tischtennis-Bezirk Böblingen)

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